Kleintierpraxis Zusamaltheim GBR

Dr. Katja von Schlippenbach

Dr. Christian Umlauf

Untere Dorfstraße 41 · 86637 Zusamaltheim

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Informationsblatt für Besitzer von Patienten mit allergischen Hauterkrankungen


Bei Ihrem Tier wurde eine Allergie festgestellt oder es besteht der Verdacht auf eine allergische Erkrankung. Dieses Informationsblatt soll Ihnen einen kurzen Überblick über Allergieproblematik und die häufigsten Fragen von Patientenbesitzern geben.


Was ist eine Allergie? Eine Überreaktion des Immunsystems. Harmlose Strukturen (z.B. Futterbestandteile, Pollen...) werden als gefährlich eingestuft und bekämpft. Dies führt zu Entzündungsreaktionen, die sich z.B. in Rötung, Juckreiz, Schuppenbildung und Sekretbildung äußern können. Auf die vorgeschädigte Haut oder Schleimhaut setzen sich oft zusätzlich Bakterien, was zu zusätzlicher Entzündung, Sekretion und Eiterbildung führt.


Warum reagiert mein Tier plötzlich allergisch – es hat sich nichts verändert? Viele Faktoren führen zur Entstehung einer Allergie. Akute Entzündungen und Infektionen können ein Auslöser sein, Stress, Stoffwechselprobleme (z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion) und erbliche Faktoren können eine Hauterkrankung begünstigen. Um eine Allergie zu entwickeln, muss der Körper über einen gewissen Zeitraum Kontakt zu einem Allergen haben. Ein Patient kann also plötzlich eine Allergie auf das Futter entwickeln, das er seit Jahren frisst. Daher wählt man für die Eliminationsdiät auch Komponenten, mit denen der Patient noch keinen Kontakt hatte. Zum Auftreten von Symptomen muss eine bestimmte Schwelle überschritten werden, der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: So kann z.B. ein leichter Futtermittel- und Birkenallergiker symptomfrei mit etwas Haarausfall über den Winter kommen, aber bei den ersten Birkenpollen mit Juckreiz reagieren. Eine Katze mit Hausstaubmilbenallergie, die bisher nur etwas übertriebenes Putzverhalten zeigt, durch den Stress wegen eines neuen Familienmitglieds beginnen, sich blutig zu kratzen.


Welche Arten von Allergien gibt es? Es gibt drei große Gruppen von Allergien: Die Allergie auf Umweltallergene (Pollen, Gräser, Hausstaubmilben...), auch Atopie genannt, die Futtermittelallergie und Allergien auf Parasiten und deren Ausscheidungen, z.B. die Flohspeichelallergie. Viele Tiere haben eine Kombination von 2-3 Allergiegruppen. Futtermittelallergien treten oft schon sehr früh in den ersten Lebensmonaten auf und sprechen oft schlechter auf eine Medikamentenbehandlung an, wohingegen sich Umweltallergien oft langsamer und später entwickeln. Bei Futtermittelallergikern zeigen sich oft auch Magen-Darm-Symtpome wie Durchfall, Erbrechen oder häufiger Kotabsatz. Bei reinen Futtermittelallergikern ist die Allergie durch konsequente Diät „heilbar“. Ein weiterer Allergietyp ist eine anaphylaktoide Sofortreaktion z.B. bei einem Insektenstich mit oft massiven bis lebensbedrohlichen Reaktionen.


Wie wird eine Allergie diagnostiziert? Letztendlich im Ausschlussverfahren. Es gibt keinen Blutwert, der klar aussagt, ob ein Tier allergisch ist oder nicht. Zuerst werden Krankheiten ausgeschlossen, die ähnliche Symptome hervorrufen, wie z.B. Parasitenbefall und Stoffwechselstörungen. Dies geschieht durch eine gründliche klinische Untersuchung, ggf. Hautproben und eine Blutuntersuchung. Zu diesem Zeitpunkt, also vor Beginn der Behandlung, wird auch Serum für eine eventuelle spätere Allergiediagnostik eingefroren, da eine medikamentöse Behandlung der Hautprobleme oft spätere Ergebnisse verfälscht. Im Blutbild von Allergikern finden sich oft Hinweise auf eine Allergie, wenn eine bestimmt Art von weißen Blutzellen in erhöhter Zahl vorhanden ist, die sogenannten eosinophilen Granulozyten. Diese sind aber nicht bei allen Allergikern erhöht.


Was bringt ein Allergietest: Weisen alle Ergebnisse auf eine Allergie hin, kann ein Allergietest (Blut- oder Hauttest) durchgeführt werden, um die auslösenden Allergene zu bestimmen. Ein Allergietest gibt aber keine Aussage darüber, ob ein Tier allergisch ist, sondern zeigt nur auf, womit sich das Immunsystem gerade intensiv beschäftigt. Im Allergietest sind die häufigsten Allergieauslöser enthalten, aber es gibt auch eine Vielzahl weiterer möglicher Stoffe in der Umwelt eines Tieres, die im Test nicht vorkommen. Sind die Allergene (allergieauslösende Stoffe) im Allergietest identifiziert, kann versucht werden, sie zu vermeiden (z.B. allergikergeeignete Schlafunterlagen bei Hausstaubmilbenallergie, Umstellung auf Nassfutter bei Futtermilbenallergie) oder eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Allergietests auf Futtermittelallergene können bei der Auswahl einer Eliminationsdiät helfen, geben aber auch keine Aussage darüber, ob eine Futtermittelallergie vorliegt, sondern nur, mit welchen Allergenen das Immunsystem sich gerade beschäftigt, und welche derzeit keine Reaktion hervorrufen.

Ist eine Allergie heilbar? Allergiker bleiben im Regelfall lebenslang allergisch, können aber durch gezielte Fütterung, regelmäßige Parasitenprophylaxe und weitere prophylaktische therapeutische Maßnahmen oft weitgehend symptomfrei leben.


Was sind typische Symptome? Wiederkehrende oder chronische Haut-, Ohren-, Bindehaut- und/oder Analdrüsenentzündungen, Juckreiz, Haarausfall, Pfotenabszesse, Verdauungsprobleme.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Wie wirken sie? Zuerst erfolgt die Behandlung zugrundeliegender Erkrankungen wie Stoffwechselstörungen und Folgeerkrankungen, z.B. Sekundärinfektionen mit Pilzen und Bakterien, in der Folge oder gleichzeitig beginnt die Allergiebehandlung. Die Therapie folgt einem Stufenplan, von nebenwirkungsfreien Präparaten, Futterzusatzstoffen und Shampoos bei milden Erkrankungen bis zu regelmäßiger Medikamentengabe bei hartnäckigen und schweren Verläufen. Je nach Stärke und Häufigkeit der Symptome können Patientenbesitzer und Tierarzt gemeinsam eine Behandlungsstrategie entwickeln.


Unterstützende nebenwirkungsfreie Maßnahmen, von denen jeder Allergiker profitiert: Durch konsequent durchgeführte, begleitende Maßnahmen lässt sich die Medikamentengabe meist reduzieren oder häufig sogar ganz vermeiden.

  • Juckreizstillende hautregenerierende Allergie-Shampoos. Achtung: Richtige Anwendung und Wassertemperatur beachten. Keinesfalls scharfe Milbenshampoos aus dem freien Handel verwenden, sie reizen zusätzlich.

  • Omega-3- und 6-Fettsäurenpräparate für Allergiker als Futterergänzung, ggf. in Kombination mit Phytosterolen (pflanzliche, juckreizstillende Wirkstoffe). Sie reduzieren Entzündungsreaktionen und stabilisieren die Haut. Lebenslange Gabe empfehlenswert. Achtung: Hypoallergene Präparate verwenden! Zur Kostenreduktion ist bei großen Hunden auch der Einsatz eines Präparates aus der Pferdemedizin möglich.

  • Spot-on-Präparate zur Stabilisierung des natürlichen Säureschutzmantels der Haut. Wöchentliche Anwendung lebenslang möglich.

  • Gute Parasitenprophylaxe: Geeignete Spot-on-Präparate, die bereits den Biss von Flöhen verhindern und die Flohpopulation in der Umgebung kontrollieren, bei starker Exposition (z.B. Hundeschau, Prüfung...) ggf. kombiniert mit Tabletten zur Abtötung von Flöhen.

  • Allergiediät: Viele Umweltallergiker haben zusätzlich eine Futtermittelallergie und profitieren daher von Allergiediäten. Viele Diäten sind auch angereichert mit einem hohen Gehalt an Omega-Fettsäuren und stabilisieren zusätzlich.

  • Führen eines Allergiekalenders und genaue Beobachtung: Juckreiz nachts im Bett deutet z.B. auf Hausstaubmilbenallergie hin, Ekzeme immer im Herbst auf Grasmilbenprobleme...

  • Vermeiden auslösender Allergene: Meiden von Badeseen, nach deren Besuch Ekzeme auftreten. Shampoonieren der Pfoten nach dem Spaziergang zur Reduktion der Allergenbelastung.

  • Homöopathie: z.B. Sulfur wird mit gutem Erfolg unterstützend eingesetzt.


Hyposensibilisierung:

Sind die auslösenden Allergene bekannt (Allergietest) und nicht allzu zahlreich, kann eine Verdünnung der Allergene hergestellt werden, die dem Patienten dann in regelmäßigen Injektionen (meist 1 x wöchentlich) über einen längeren Zeitraum (mindestens 1 Jahr, oft mehrere Kuren über Jahre hinweg) verabreicht wird. Bei etwa der Hälfte der Patienten zeigt dies einen guten Erfolg (wenn keine Futtermittelallergie beteiligt ist oder Allergiediät zusätzlich gefüttert wird), bei etwa einem Viertel gelingt zumindest eine Verbesserung der Symptome, und etwa ein Viertel der Patienten spricht kaum oder gar nicht auf diese Therapie an.


Medikamente für Allergiker:

  • Das mildeste Medikament gegen Juckreiz sind Antihistaminika, z.B. Apoquel oder Cetirizin-Tabletten. Es verursacht als Nebenwirkung bei einigen Patienten Müdigkeit und sollte daher bevorzugt abends gegeben werden. Cetirizin wirkt aber nicht entzündungshemmend und ist daher zur Behandlung akuter Entzündungen ungeeignet. Es sollte daher bei den ersten Anzeichen von Juckreiz angewendet werden, bevor Hautirritationen entstehen.

  • Medizinische Shampoos: Je nach Art der Problematik können Shampoos gegen Bakterien und Pilze sowie spezielle keratolytische Shampoos eingesetzt werden.

  • Cortison: Wirkt stark juckreizstillend und entzündungshemmend. Als Sprays oder Salben kann es lokal zur Juckreizstillung eingesetzt werden. Es gibt auch Präparate, die zusätzlich einen Wirkstoff gegen Bakterien und/oder Pilze enthalten. Cortison-Tabletten oder Depo-Injektionen sind sehr wirksam gegen allergische Reaktionen, sollten aber wegen möglicher Nebenwirkungen möglichst nicht als Dauertherapie eingesetzt werden, oder falls eine Dauertherapie erforderlich ist, sollte eine möglichst niedrige Dosierung gewählt werden, und die Tablettengabe möglichst nur jeden 2. Tag erfolgen.

  • Cyclosporin: Patienten, die ohne Dauermedikation nicht auskommen, sprechen oft auf Cyclosporin als nebenwirkungsärmere Alternative zum Cortison an. Es muss anfangs meist parallel zum Cortison eingesetzt werden, bis die Entzündungserscheinungen abgeklungen sind. Meist vergehen 3-4 Wochen, bevor Cyclosporin zu wirken beginnt. Nachteil sind die erheblich höheren Kosten im Vergleich zu Cortison.



Eliminationsdiät: Viele Allergien sind ausschließlich oder teilweise durch Futtermittelallergien bedingt. Die einzige Möglichkeit, festzustellen, ob Ihr Tier an einer solchen Allergie leidet, ist eine konsequente Ausschlussdiät.

Das bedeutet, Ihr Tier erhält über einen Zeitraum von mindestens 8 Wochen (erst dann ist der Erfolg erkennbar!) eine Diät aus einer Eiweiß- und einer Kohlenhydratquelle, die ihr Tier noch nicht gefressen hat, z.B. Pferd und Tapioka. Ein Erfolg kann sich nur einstellen, wenn diese Diät konsequent über mindestens 8 Wochen durchgehalten wird – also kein Leckerli von der Oma, keine Leberwurst zur Tablettengabe, kein Auslecken des Katzennapfes oder Fressen von Pferdeäpfeln, keine Zahnreinigungsknochen etc.! Je nach familiärer Situation kann das schwierig bis unmöglich werden. Auch Leckerlis und Kauartikel müssen die selbe reine Eiweißquelle haben, z.B. Pferdesehnen. Außerdem muss darauf geachtet werden, absolut allergenfreie Diäten zu wählen. Die meisten Produkte aus dem freien Handel werden in der gleichen Produktionslinie hergestellt wie andere Futtermittel mit Rind- oder Geflügelfleisch, und enthalten daher Spuren dieser Proteine. Sie sind zur Durchführung von Eliminationsdiäten nicht geeignet. Alternativ kann man auch selbst zubereitete Mahlzeiten aus Frischfleich (z.B. Pferd) und einer Kohlenhydratquelle (Kartoffel) füttern. Diese Rationen müssen aber von einem Fachmann (z.B.: www.futtermedicus.de) genau berechnet und mit Vitaminen und Mineralien ergänzt werden.

In der Anfangsphase der Diät werden meist noch zusätzlich Medikamente verabreicht, die spätestens nach 8 Wochen abgesetzt werden. Dann zeigt sich, ob Ihr Tier mit konsequenter Diät ohne Medikamente leben kann. Möchte man nun sicher gehen, dass es sich um eine Futtermittelallergie handelt, startet man nun eine Provokationsprobe: Man füttert erneut das alte Futter, und die Symptome kehren zurück. Viele Besitzer verzichten aber auf diesen Schritt, um keine neuen Symptome auszulösen.

War die Eliminationsdiät erfolgreich, kann man entweder lebenslang dabei bleiben, oder vorsichtig austesten, was der Patient noch verträgt. Achtung – die Reaktionen setzen oft erst nach Wochen ein, also immer nur eine neue Komponente dazufüttern! Nach einigen Jahren kann auch auf diese Futterkomponenten eine Allergie entstehen, daher immer nur eine Eiweißquelle wählen, dann bestehen noch Möglichkeiten, zu wechseln. Bitte daher auch niemals einem gesunden Tier seltene Fleischsorten wie Rentier, Känguru etc. füttern, sonst wird es im Falle einer Allergie schwierig, Futterquellen zu finden, mit denen noch kein Kontakt bestand.